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©1998 Volker Cordes, Berlin


Einleitung

Die Verfahrenslösung Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK) basiert auf Entscheidungen der Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland (AdV) Anfang der 70er Jahre, die Führung des Liegenschaftskatasters zu automatisieren und dabei gleichzeitig im Rahmen der staatlichen Aufgabe der Daseinsvorsorge digitale Daten den Nutzern des Katasters zur Verfügung zu stellen. Aus diesem Grund wurde im Jahre 1971 das Konzept "Automatisiertes Liegenschaftskataster" erarbeitet. Aus diesem übergreifenden Konzept entstanden die beiden anwendungsbezogenen Sollkonzepte "Automatisiertes Liegenschaftsbuch (ALB, 1973)" und "Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK, 1975)". In den folgenden Jahren wurde von der AdV, im wesentlichen durch die Landesvermessungsämter Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen die Realisierung, d.h. die Programmierung der beiden Verfahrenslösungen durchgeführt.

Die Verfahrenslösung ALB wurde bereits Anfang der 80er Jahre für den Einsatz und die Umstellung des bis dahin analog geführten Buchwerkes freigegeben. Im Jahre 1986 erhielt dann der ALK-Datenbankteil und der ALK-GIAP® für die Erfassung und Speicherung der Flurkarte die Produktionsfreigabe. Ab diesem Zeitpunkt begannen in den einzelnen Kataster- und Vermessungsverwaltungen die Vorbereitungs- und Erfassungsarbeiten, die bisher analog geführte Flurkarte auf die digitale Führung umzustellen. Bedingt durch den organisatorischen Aufbau des Vermessungswesen in der Bundesrepublik Deutschland und der damit verbunden Entscheidungskompetenz der einzelnen Länder und Kommunen wurden die Verfahrenslösungen ALB und ALK aber nicht in allen Bundesländern eingeführt, obwohl beide Anwendungen auf einem bundeseinheitlichen Konzept und Entscheidungen der AdV basieren.

Da sich das Wörterbuch mit der Verfahrenslösung-ALK auseinandersetzt und die dort verwendeten Begriffe erläutern will, werde ich mich in den weiteren Ausführungen und Erklärungen auch darauf beschränken und die Verfahrenslösung-ALB nicht betrachten.

Die Realisierung und Einführung der Verfahrenslösung-ALK ist in den letzten Jahren stetig vorangeschritten. In den ersten Ländern, Kreisen und insbesondere Kommunen steht die flächendeckende Ersterfassung der ALK kurz vor dem Abschluß oder ist bereits abgeschlossen. Dabei sind in den einzelnen Ländern unterschiedliche Erfassungskonzepte zum Einsatz gekommen.

Welches der Erfassungskonzepte eingesetzt werden kann, hängt von den vorhandenen Unterlagen ab, so daß vielfach eine Mischform der genannten Wege benutzt worden ist. Ebenso mußten bei den erfaßten Inhalten teilweise quantitative Abstriche vorgenommen werden, da nicht in allen Bereichen für den gesamten Inhalt digitalisierfähige Unterlagen vorhanden waren und die Personalkapazitäten sowie die Finanzmittel der Verwaltungen nicht ausreichten.

Was aber allen Konzepten eigen ist, ist der Einsatz der Verfahrenslösung-ALK und der damit verbundenen logischen Datenstruktur. Dieser technologische Konsens macht es nun heute grundsätzlich möglich, die erzeugten Daten über die Einheitliche Datenbankschnittstelle (EDBS) auszutauschen.

Der logische Schritt, die Führung der analogen Flurkarte aufzugeben und nur noch die digitale Flurkarte zu führen, ist aber bisher in den wenigsten Verwaltungen geschehen. Für die Nutzung der Daten als Basisinformationssystem in anderen Fachinformationssystemen ist dieses nach meiner Meinung aber ohne große Bedeutung. Vielmehr ist wichtig, daß die Daten in einem einheitlichen Format vorliegen und deswegen vom Grundsatz her auch überregional und ressortübergreifend genutzt werden können. Daß diese überregionale und ressortübergreifende Nutzung heute noch nicht im wünschenswerten Maße erfolgt, hat sicher auch seine Ursache in dem mangelnden Bekanntheitsgrad der Verfahrenslösung-ALK und deren vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten, liegt aber auch darin begründet, daß der notwendige Fertigstellungszeitraum der ALK auf Grund der liegenschaftsrechtlichen Ansprüche und der ungenügenden Bearbeitungskapazitäten einen sehr langen Zeitraum in Anspruch nimmt.

Als Folge der fortschreitenden Fertigstellung wird die Bereitstellung der Daten nunmehr verstärkt von den potentiellen Nutzern gefordert. Dabei geht es nicht ausschließlich und vorrangig um die verwaltungsinternen Nutzer, sondern vielmehr um die zahlreichen externen Nutzer, wie zum Beispiel Energieversorgungsunternehmen, Verkehrsbetriebe, usw. Um das Ziel der kurzfristigen Datenbereitstellung durch die Verwaltung zu erreichen, haben diverse Energieversorgungsunternehmen entsprechende Kooperationsverträge mit den Kataster- und Vermessungsverwaltungen geschlossen. In den Verträgen wurde in der Regel vereinbart, daß der zukünftige Nutzer entsprechende Finanzmittel zur Verfügung stellt, um die Fertigstellung zu beschleunigen. Als Gegenleistung verzichtet in vielen Fällen die Verwaltung für einen adäquaten Zeitraum auf die Erhebung von Gebühren. Mit der teilweise von externen Unternehmen unterstützten, forcierten Bereitstellung der ALK-Daten können die Vermessungsverwaltungen ihrem selbstgesteckten Ziel, daß das Kataster als Basis Informationssystem den Ansprüchen eines modernen Mehrzweckkatasters dienen soll und den Bedürfnissen von Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft gerecht wird, einen großen Schritt näher kommen.

In den letzten 4-5 Jahren hat sich gezeigt, daß die Verfahrenslösung-ALK den vielfältigen Anforderungen der Nutzer noch nicht im vollen Umfang gerecht wird. Von den Vermessungsverwaltungen selbst war zum Beispiel die integrierte Führung der Daten der Verfahrenslösungen ALK und ALB immer vorgesehen, konnte aber bis heute nicht realisiert werden. Daneben muß man natürlich auch den sehr rasch wachsenden nationalen und internationalen Markt für Geodaten betrachten und die damit verbundenen technologischen Entwicklungen und Normierungsbestrebungen. Hatten wir es in den Anfängen mit regional begrenzten und aus rechtlichen und historischen Rahmenbedingungen (Preußisches Kataster) entstandenen Eigenentwicklungen zu tun, (siehe die Entwicklungen der AdV), so befinden wir uns heute auf einem internationalen Markt von Anbietern und Herstellern. Außerdem haben die sprunghaften Entwicklungsschritte im Bereich der Hardware -immer mehr Leistung, bei gleichem oder geringerem Preis- das ihrige dazu beigetragen, daß Geo-Informationssysteme heute einen so hohen Verbreitungsgrad haben. Die Internationalisierung der Märkte, man denke nur an das Europa von morgen, trifft dabei in fast gleichem Maße die Datenproduzenten, wie auch die Hersteller von Hard- und Software. Hinzu kommen die Bestrebungen, den gesamten Teil der Datenmodellierung, des Datenaustausches, der Datenbeschreibung, usw. zu normieren und damit international verbindliche Standards schaffen.

Da die Kataster- und Vermessungsverwaltungen der größte und einzige Anbieter von rechtsverbindlichen, flächendeckenden und aktuellen digitalen Daten im großmaßstäbigen Bereich sind (das gilt genauso für die Bereitstellung der analogen Karten), die zudem die Rechtssicherheit des dargestellten Sachverhaltes gewährleisten, sah sich die Arbeitsgemeinschaft der Vermessungsverwaltungen der Länder der Bundesrepublik Deutschland gezwungen, auf diese Entwicklungen und Anforderungen zu reagieren. Seit nunmehr zwei Jahren werden entsprechende konkrete Konzepte erarbeitet und mit Softwareherstellern sowie den Nutzern abgestimmt, die die Verfahren Automatisierte Liegenschaftskarte (ALK), Automatisiertes Liegenschaftsbuch (ALB) und Amtliches Topographisches-Kartographisches Informationssystem (ATKIS) in einem Datenmodell integriert und die Daten über eine gemeinsame Schnittstelle austauscht. Dieses, unter dem Namen "Automatisiertes Liegenschaftskataster Informationssystem (ALKIS®)" bekannte Projekt, soll nach dem Willen der Initiatoren zukünftig die vorgenannten einzelnen Verfahrenslösungen ersetzen. Bis es in einigen Jahren soweit ist, sind allerdings die bisherigen Lösungen weiter im Einsatz und müssen gepflegt werden.

In dem vorliegenden Wörterbuch wird aus zwei wesentlichen Gründen nicht auf Begriffe des Verfahrens ALKIS® eingegangen.

  1. Das Wörterbuch hat zum Ziel, Begriffe einer Lösung zu beschreiben, die in der täglichen Produktion eingesetzt wird. Es hat nicht zum Ziel, diese Begriffe mit denen einer noch nicht fertigen zukünftigen Lösung zu vermischen. Dadurch würde nach meiner Auffassung das Wörterbuch nur ein Beitrag zur Verwirrung sein und keine Hilfe darstellen.

  2. Auf dem neuen ALKIS® Modell basierende Software wird für die Produktion, nach meiner Einschätzung, nicht vor dem Jahr 2003 in ausgereifter Form zur Verfügung stehen. Weiterhin sind die Zeiträume zu berücksichtigen, die die Umstellung der bereits laufenden ALK-Verfahren in Anspruch nimmt. Das betrifft zum einen die Migration der bereits vorhandenen Daten und zum anderen den gesamten Verfahrenseinsatz, -Hard- und Softwarebeschaffung, Schulungen, Programmbeschreibungen, usw.-. Die Nutzer, die heute vor der Entscheidung über den Einsatz der ALK-Daten stehen, wie auch die Datenproduzenten, die täglich mit der Erfassung und Fortführung der ALK-Daten beschäftigt sind, können nicht ihre Arbeit einstellen oder notwendige strategische Entscheidungen über ein einzusetzendes Basisinformationssystem für Jahre aussetzen. Vielmehr müssen die zur Zeit vorhandenen Daten und Strukturen genutzt werden, um eigene Fachinformationssysteme aufzubauen.

In der täglichen Praxis, bei der Beratung von Nutzern sowie in den Anwendungsschulungen der Kolleginnen und Kollegen hat sich gezeigt, daß in der Verfahrenslösung-ALK vielfach mit Fachbegriffen gearbeitet wird, die den zukünftigen Anwendern und Nutzern sowie den Kolleginnen und Kollegen die mit der Bearbeitung der ALK-Daten betraut sind nicht ohne weiteres geläufig sind. Viel schlimmer ist die Tatsache, daß es kein Nachschlagewerk oder eine Sammlung gibt, wo die Begriffe in komprimierter Form erläutert werden. Zumindest ist mir kein solches Werk bekannt. Es ist sicher keinem Anwender zuzumuten, die ca. 20 Aktenordner ALK-Verfahrensdokumentation oder die diversen Veröffentlichungen in verschiedenen periodisch erscheinenden Zeitschriften der Kataster- und Vermessungsverwaltungen zu studieren, nur weil er wissen möchte, was BZSN, logische Datenstruktur oder Darstellungskennung bedeutet. Diese Fragestellungen aus dem täglichen Umgang mit Anwendern und Nutzern haben letztendlich die Idee zu diesem Wörterbuch initiiert.

Mit dem ALK-Wörterbuch soll der Versuch unternommen werden, die wichtigsten und häufig verwendeten Begriffe der Verfahrenslösung so anschaulich und allgemeinverständlich wie irgend möglich zu erklären und an Hand von Beispielen zu erläutern. Dabei ist es nicht die Absicht, hier Lösungen der einzelnen Länder und Kommunen oder die Umsetzung der ALK-Verfahrenslösung durch diverse Softwarehersteller zu beschreiben oder gar zu bewerten. Ebenso kann und soll durch das vorliegende ALK-Wörterbuch nicht das vertiefte Auseinandersetzen mit der ALK-Verfahrenslösung ersetzt werden.

Bei mir stand das Bemühen im Vordergrund, die Begriffe der Verfahrenslösung-ALK unabhängig von einer in der Produktion eingesetzten Software oder einer in den Ländern oder Kommunen eingesetzten Lösung zu erklären. Ebenso wurde auf die Beschreibung einzelner spezifischer Arbeitsvorgänge, wie Objektbildung, Einpassung, usw., vollkommen verzichtet. Sollten einige Erläuterungen und Beispiele entgegen des Vorsatzes der neutralen Beschreibung trotzdem auf die im Land Berlin realisierte Lösung verweisen, so soll dies nur zeigen, wie das abstrakte Modell ALK im Land Berlin schrittweise realisiert wird.

Sicher sind noch nicht alle Begriffe erfaßt bzw. erschöpfend und verständlich erläutert. Aus diesem Grunde verstehe ich dieses Wörterbuch nicht als "fertiges Werk", sondern als ein sich durch die Anregungen der Leser aktualisierendes Wörterbuch. Dazu ist es allerdings notwendig, daß möglichst viele Leser ihre Kritik und Anregungen mir mitteilen, damit sie eingearbeitet werden können und so das Wörterbuch schrittweise besser und vollständig wird. Inwieweit sich dieses Ziel erreichen läßt, wird sich in der Zukunft zeigen.

Bei der Erklärung von Begriffen eines fachbezogenen, rechnergestützten Verfahrens ist es unumgänglich Grundbegriffe aus den durch das Verfahren betroffenen Fachbereichen Geodäsie, Kartographie und Informatik zu benutzen. Was dieses Wörterbuch nicht leisten kann, ist die Erklärung dieser reinen Fachbegriffe. Diese Bedeutungen werden von mir vorausgesetzt bzw. müssen vom interessierten Leser in der entsprechenden Fachliteratur nachgeschlagen werden.

Die zu den einzelnen Begriffen und deren Erklärungen genannten Beispiele sind zur Verdeutlichung in kursiver Schrift geschrieben. Ebenso sind die Seiten nur einseitig bedruckt worden, um ausreichend Platz für persönliche Notizen zu lassen.

Verbesserungsvorschläge, Änderungen und Ergänzungen senden Sie bitte an

Volker Cordes

Ringbahnstraße 8A

10711 Berlin

oder noch besser, quasi zu einem automatisierten Verfahren passend, per e-mail an

<volker-cordes@t-online.de>.

Berlin, im Oktober 1998










Bedeutung von Abkürzungen und Zeichen im Wörterbuch.

u.a. = unter anderem
EDV = Elektronische Datenverarbeitung
usw. = und so weiter
z.B. = zum Beispiel
SenBauWohnV = Senatsverwaltung für Bauen Wohnen und Verkehr, Berlin

Literaturhinweise
Stöppler Die Einheitliche Datenbank-Schnittstelle (EDBS) Nachrichten aus dem öffentlichen Vermessungsdienst Nordrhein-Westfalen, 22. Jahrgang, 3-4/1989
Rossol Die Aufgabe der EDBS in der ALK ebenda
AdV ALK.DOC  
AdV ATKIS.DOC